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David Szislowski – Das Leben




Vorwort
Es soll Menschen geben, die behaupten, mit siebzehn Jahren seine Biographie zu Papier zu bringen, ist ein wenig zu früh. Die Tatsache ist, sie haben Recht. Warum sitze ich nun hier und überlege mir Formulierungen, die mein Leben in korrekter Weise zum Ausdruck bringen? Die Antwort liegt nicht einmal so weit entfernt. Was viele nicht wissen, – ich habe sogar den Eindruck, dass es niemand weiß – ich bin nicht die Anhäufung von subatomaren Partikeln, für die mich alle halten. Ich bin gezwungen, mich in meinem öffentlichen Handeln und Denken zu verstellen, mich zu enteignen, mich selbst und meine Überzeugungen zu verraten. Dies ist der Grund für meine frühzeitige Biographie. Ich möchte den Leserinnen und Lesern Geschehnisse meines Lebens und meine tiefsten Emotionen nahe bringen und endlich reinen Tisch machen. William S. Maugham hatte einmal gesagt: „Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit.“ Dem kann ich mich hiermit nur anschließen und in den folgenden Abschnitten befolgen.



I
Meine Vorfahren

In diesem ersten Kapitel meiner Biographie gibt es eigentlich nicht viel, dass sich zu beschreiben lohnt. Natürlich könnte ich hier das Leben meiner Vorfahren einzeln durchleuchten, jedoch müsste ich in diesem Falle etwa zehn bis fünfzehn Biographien schreiben. Ich möchte mich an dieser Stelle allerdings nur mit der Klärung meiner Herkunft befassen, einem Aspekt, der für mich persönlich von höchster Wichtigkeit ist.
Wie sicher jeder weiß, wurden meine Eltern in Polen geboren. Demnach bin ich also ein in Deutschland geborener Pole. Dies ist die Auffassung, die ein jeder der mich kennt für wahr hält und auch ich war von jener Situation überzeugt. Doch in meinem Herzen war immer eine Verbindung ganz besonderer Art zu dem Land meiner Geburt. Schon mein ganzes Leben lang wusste ich nichts mit meiner vermeintlichen, ursprünglichen Heimat anzufangen. Dies begann damit, dass ich, anders als andere Kinder mit polnischen Eltern, nie auch nur ein Wort polnisch konnte. Es gab zwar eine leichte Tendenz von Seiten meiner Eltern, mir diese Sprache nahe zu bringen, doch entwickelte ich nie ein Gespür dafür. Im Gegensatz dazu, beherrschte ich die deutsche Sprache vollkommen, obwohl ich mir die Sprache zu der Zeit nur von meinen Eltern abschauen konnte, die selber nur kaum deutsch sprachen. Irgendetwas war dort also.
Später erfuhr ich dann einige Einzelheiten die Familie betreffend, die meine besondere Beziehung Deutschland gegenüber erklärte.
Mütterlicherseits sind alle meine Vorfahren polnisch und schon immer polnisch gewesen. Auf der Seite meines Vaters sieht das jedoch komplett anders aus. Zwar ist es korrekt, dass mein Vater in Polen geboren wurde, in seinen Adern fließt jedoch zu einhundert Prozent deutsches Blut. Denn sowohl der Vater meines Vaters, dessen Vater und dessen usw. wurden als Kinder deutscher Eltern auf deutschem Land geboren. Die Verschiebung der deutsch-polnischen Grenze nach dem zweiten Weltkrieg nach Westen sorgte nun dafür, dass der Hof meines Großvaters nicht mehr länger auf deutschem, sondern auf polnischem Boden stand. Mein Vater kam also als Sohn deutscher Eltern in Polen zur Welt.
Diese Familie zog später in die ursprüngliche Heimat, nach Deutschland – um genau zu sein, nach Bochum – wo mein Vater meine Mutter kennen gelernt hatte und ich zur Welt kam. Meine Beziehung zu diesem Land war nunmehr begründet: In meinen Adern fließt zur Hälfte deutsches Blut.



II
Lebensjahre 1-7

10.08.1989: Kurz nach 23Uhr trifft eine junge Frau mit ihrem Mann im Knappschaftskrankenhaus Bochum ein. Etwa zwei Stunden später, um 1.15Uhr in der Nacht, kam ein 51cm großer und 3260g schwerer Junge auf die Welt. Die Eltern gaben ihm den Namen David.
Da war ich nun, neues Leben in unserer allzu vergänglichen Welt. Und wie es sich für eine solch wichtige Person gehört, durfte ich auch gleich einigen Audienzen beiwohnen. Familienmitglieder aus ganz Europa trafen ein, nur um mich sehen zu können. Eine der wichtigsten Menschen an diesem Tage war wohl meine Großmutter mütterlicher Seite. Sie hatte befürchtet, gar keinen Enkel mehr zu bekommen. Ich hatte schon an meinem ersten Tag eine ungeheure Aufmerksamkeit auf mich gezogen, ein Zustand, der sich in meinem späteren Leben nicht ändern sollte.
Obwohl ich noch so jung war, blickte ich schon einige Male dem Tode in die Augen. Das erste Mal kurz nach meiner Geburt. Beim Trinken hatte ich mich sehr stark verschluckt, ich bekam keine Luft mehr, mein Gesicht lief blau an. Erst im letzten Moment konnte ich von meinen Qualen erlöst werden, sodass ich wieder atmen und weiter trinken konnte.
Mit acht Monaten bekam ich meine ersten Zähne, also relativ spät. Mein erster Geburtstag rückte immer näher. Zwei tage vor jenem Tage begann ich schließlich zu krabbeln und zwei Tage später konnte ich bereits laufen.
Nur ein halbes Jahr nach meinem ersten Geburtstag wurde ich zum zweiten Mal mit dem Tod konfrontiert. Ich litt an einem eigenartigen, starken husten. Im Laufe des Tages wurde dieser Husten immer stärker, bis sich meine Eltern schließlich entschieden hatten, mich zum Notarzt zu bringen, wie sich herausstellen sollte, war dies eine weise Entscheidung. Der Arzt hatte berichtet, wenn ich zwei Stunden später zu ihm gebracht worden wäre, hätte ich es nicht überlebt. Am nächsten Tage ging es mir wieder bestens.
Mit vier Jahren kam ich schließlich in den Kindergarten. An meinem ersten Tag sah ich einige Kinder in einer Ecke mit Bausteinen einen Turm bauen. Ich ging dort hin, schmiss den Turm um, fragte, ob wir ihn wieder aufbauen sollten und schon hatte ich meine ersten Freunde im Kindergarten. Dort war es so geregelt, dass neue Kinder in der ersten Woche täglich nur eine Stunde blieben, um sich etwas eingewöhnen zu können. Als mich meine Mutter dann am ersten Tag nach dieser einen Stunde abholen wollte, habe ich mich strikt geweigert mit nach Hause zu gehen. Ich wollte auf jeden Fall länger bleiben. Selbst die Kindergärtnerinnen waren äußerst erstaunt. Ich war wohl das erste Kind, dass in dieser ersten Woche länger als nur eine Stunde bleiben wollte. Ich hatte dort viele Freunde hatte mit unzähligen Geburtstagen zu tun. Ich musste immer im Mittelpunkt stehen und hatte immer etwas zu erzählen. Es war eine sehr schöne Zeit für mich. Dort habe ich auch einige Menschen kennen gelernt, mit denen ich bis heute täglich Kontakt habe, Katja Kröger und Daniel Jäckel.
Ich war ein begabtes Kind. Immer wenn etwas auswendig zu lernen war, meldete ich mich sogleich freiwillig. Mit fünf Jahren besuchte ich eine Musikschule, mit meinem Xylophon war ich auch gar nicht mal so schlecht. Mit sechs war ich dann in einer Schwimmschule. Einige Kinder waren schon um einiges länger dort als ich, dennoch konnte ich als erster richtig schwimmen und habe mein Seepferdchen gemacht.
Ich war also ein begabtes, lebensfrohes und sehr glückliches Kind mit dem Tode als zeitweiligem Begleiter. Ich habe schon mehrmals darüber nachgedacht, dass nur ein kurzer Zeitabschnitt darüber entschieden hatte, ob ich all dies erlebt hätte oder nicht.



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